
das abgelaufene Geschäftsjahr 2008|09 brachte wie erwartet den Zusammenbruch der Spekulationsblase bei agrarischen Rohstoffen und die Rückkehr zu zuvor üblichen Preisen am Rohstoffmarkt. Dennoch bestimmte die Rohstoffhausse bis September 2008 den Geschäftsverlauf 2008|09. Zudem löste das Übergreifen der weltweiten Finanzkrise auf die Realwirtschaft ab dem vierten Quartal des Kalenderjahres 2008 eine um sich greifende Weltwirtschaftskrise aus. Dies leitete eine Phase der Unsicherheit auf unseren Absatzmärkten ein. Der rasante Kursrückgang vieler osteuropäischer Währungen um den Jahreswechsel verschärfte für AGRANA die Rahmenbedingungen zusätzlich. Die Rückkehr der Ölpreise auf 40-50 USD je Barrel kam für das Geschäftsjahr 2008|09 zu spät.
Umsatzanstieg auf über 2,0 Mrd. €, jedoch operativer Ergebniseinbruch auf 37,8 m€ infolge der Turbulenzen auf den Energie und Rohstoff märkten in Kombination mit der volatilen Wirtschaftslage.
AGRANA war somit mit extrem volatilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und instabilen Marktgegebenheiten konfrontiert. Es ist uns dennoch gelungen, nach einem sehr schwierigen ersten Halbjahr 2008|09 das operative Geschäft zu stabilisieren. Wir konnten unsere Wachstumsziele mit einem Umsatzanstieg auf über 2,0 Mrd € (nach 1,9 Mrd € im Vorjahr) weitgehend erreichen. Der Rückgang des operativen Jahresergebnisses auf 37,8 m€ nach 111,4 m€ im Jahr zuvor widerspiegelt jedoch neben den Turbulenzen auf den Energie- und agrarischen Rohstoffmärkten auch die insgesamt extrem volatile Wirtschaftslage. Die jüngsten Wechselkursturbulenzen, vor allem im osteuropäischen Raum, waren die Ursache des äußerst unerfreulichen Finanzergebnisses von minus 67,1 m€. Dies führte trotz des zuletzt stabilen operativen Geschäfts zu einem Jahresfehlbetrag von 15,9 m€ nach einem Überschuss von 63,8 m€ im Jahr zuvor.
SEGMENT ZUCKER
Der Zuckermarkt in Europa ist als Folge der EU-Zuckermarktordnungsreform nach wie vor im Umbruch. Die gute Ernte, Effizienzsteigerungs- und Rationalisierungsmaßnahmen, aber auch Absatzsteigerungen ermöglichten es AGRANA im Geschäftsjahr 2008|09, die Position als führender Zuckerproduzent in Zentral- und Osteuropa zu verteidigen. Das operative Segmentergebnis lag mit 15,8 m€ deutlich unter jenem des Vorjahres von 32,6 m€. Ursachen dafür waren die Belastungen aus den EU-Restrukturierungszahlungen sowie sinkende Zuckerpreise. Wir sehen AGRANA in ihren Zuckerkernmärkten nach wie vor bestens positioniert.
SEGMENT STÄRKE
Das erste Halbjahr 2008|09 war bis zur neuen Getreide- und Maisernte von den Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten stark belastet, die Normalisierung des Preisniveaus im zweiten Halbjahr ermöglichte die Rückkehr zur normalen Rentabilität. Der Ausbau unserer Verarbeitungskapazitäten und höhere Handelsumsätze haben sich positiv auf den Umsatz ausgewirkt. Anlaufkosten für die Bioethanolproduktion Pischelsdorf waren die Hauptursache dafür, dass das operative Segmentergebnis mit 27,5 m€ unter dem Vorjahresergebnis von 35,3 m€ zu liegen kam.
SEGMENT FRUCHT
Durch den Ausbau der Kapazitäten in Brasilien und weitere Produktinnovationen konnte AGRANA bei Fruchtzubereitungen ihre Weltmarktführerschaft auch 2008|09 unterstreichen. Allerdings wurde AGRANA von den Preisturbulenzen auf den Rohstoffmärkten, insbesondere im Konzentratgeschäft, belastet. Nach Höchstpreisen für Äpfel in der Ernte 2007 folgte ein jäher Preisabsturz im Frühsommer 2008, der erhebliche Lagerabwertungen bei AGRANA Juice notwendig machte. Auch wenn sich das operative Geschäft im dritten und vierten Quartal des Geschäftsjahres wieder erholte, konnten die Abwertungsverluste des ersten Halbjahres nicht aufgeholt werden. Das Segmentergebnis war daher mit minus 5,5 m€ (nach plus 43,5 m€ im Vorjahr) negativ.
AUSBLICK
Die aktuelle Situation erfordert höchsten Einsatz, zumal die Wirtschaftskrise auch 2009|10 das gesamte Wirtschaftsgeschehen dominieren wird. Zwar sind die Absatzmärkte in der Lebensmittelindustrie nicht jenen extremen Zyklusschwankungen ausgesetzt wie andere Industrien, derart schwerwiegende konjunkturelle Verwerfungen dämpfen jedoch auch das Konsumverhalten in unserer Branche.
Wir wollen künftig vermehrt Synergien zwischen den einzelnen Segmenten und auf Ebene der Konzernholding nutzen. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen einen wichtigen Schritt sowohl zur Kostenoptimierung als auch zu noch mehr „operativer Fitness“ gehen werden.
Unser strategisches Fundament mit den drei Standbeinen Zucker, Stärke und Frucht eröffnet uns auch für die kommenden Jahre gute Wachstumschancen. Die Megatrends, die letztlich die Wachstumstreiber für unser Unternehmen sind, haben sich dem Grunde nach - trotz Finanz- und Wirtschaftskrise - nicht verändert: Langfristig wird der Trend zu gesunder Ernährung unserem Segment Frucht ebenso zu Gute kommen wie die Wohlstandsentwicklung und das Bevölkerungswachstum in den Emerging Markets. Bei Stärke sehen wir unverändert gute langfristige Perspektiven mit Bioethanol und kundenspezifischen Stärkespezialitäten. Bei Zucker wird die hervorragende Marktpositionierung von AGRANA in den künftigen Zuckerdefizitmärkten Zentral- und Osteuropas unsere Absatzchancen positiv beeinflussen.
Kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen werden wir mit rasch umsetzbaren, adäquaten Maßnahmen gegensteuern, ohne dabei die langfristige Perspektive außer Acht zu lassen. Deshalb werden wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Budgetkürzungen bei der Weiterentwicklung und Spezialisierung unserer Produktpalette in den Segmenten Stärke und Frucht vornehmen und unsere Innovationspipeline konsequent weiter ausbauen.
Als wirtschaftlich starkes Unternehmen mit einer stabilen Aktionärsstruktur haben wir zudem auch unter den aktuellen Rahmenbedingungen ausreichenden Handlungsspielraum. Die Finanzierung des Konzerns ist gut abgesichert. Wir sehen daher der weiteren Entwicklung der AGRANA auch in einem sehr schwierigen Umfeld mit Zuversicht entgegen.
Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle bei unseren Mitarbeitern für ihren Einsatz in einer schwierigen Zeit bedanken. Mein Dank gilt insbesondere auch allen Kunden sowie unseren Aktionären für das in uns gesetzte Vertrauen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Johann Marihart
Vorsitzender des Vorstandes