Rohstoff und Ernte
Die Volatilitäten auf den Rohstoffmärkten bedeuteten im Geschäftsjahr 2008|09 eine erhebliche Herausforderung für die Rohwarenbeschaffung. Infolge der abnehmenden Nachfrage im letzten Quartal des Kalenderjahres 2008 kam es zu starken Preiseinbrüchen bei vielen Früchten. Die globale Einkaufsgesellschaft der AGRANA Fruit bewährte sich in der zentralen Koordination und Abwicklung des Früchtezukaufs. Seit dem Geschäftsjahr 2008|09 wird zusätzlich der Einkauf von Süßungsmitteln für die amerikanischen Produktionsstätten zentral organisiert. In China wurde eine lokale Sourcing-Einheit erfolgreich etabliert.
Die Hauptfrucht in AGRANA-Fruchtzubereitungen ist die Erdbeere mit einem Anteil von rund 40 % am Gesamtfruchtbedarf. Die Erdbeersaison startete in Mexiko, Marokko sowie Polen auf dem hohen Preisniveau des Vorjahres. Der Nachfragerückgang und die hohen Lagerbestände führten bis Ende des Wirtschaftsjahres zu deutlichen Preisrückgängen.
Bei Himbeeren kam es in Nordamerika zu großen Ernteausfällen. Der Markt wurde daher vor allem aus Chile, dem wichtigsten überregionalen Anbaugebiet für den amerikanischen und europäischen Markt, bedient. Diese zusätzliche Nachfrage führte gemeinsam mit frostbedingten Ausfällen zu einem Ausverkauf von Himbeeren und einer Preisverdoppelung. In Europa bedingte diese Marktentwicklung ein ähnlich hohes Preisniveau für die serbische und polnische Ernte.
Wildheidelbeeren verzeichneten deutliche Preisrückgänge, nachdem die Marktteilnehmer das außergewöhnlich hohe Preisniveau der Vorjahre nicht angenommen hatten, was zu Nachfragerückgängen führte.
Nach relativ hohen Preisen während der Ernte bei Stein- und Kernobst kam es im Jahresverlauf infolge der rückläufigen Nachfrage ebenfalls zu Preiseinbrüchen für Tiefkühlware hauptsächlich auf den osteuropäischen Märkten. Das hohe europäische Preisniveau während der Ernte konnte durch verstärkte Einkaufsaktivitäten im günstigeren asiatischen Raum ausgeglichen werden. Bei Kirschen entspannten sich die Preise, bei Äpfeln führte ein normalisiertes Erntevolumen zu deutlichen Preisrückgängen gegenüber dem Vorjahr.
Tropische Früchte zeigten generell ein ansteigendes Preisniveau. Gründe dafür waren Ernteausfälle sowie eine anhaltend hohe Nachfrage in den ersten drei Quartalen.
Für das kommende Geschäftsjahr 2009|10 erwartet AGRANA bei Früchten sowohl auf dem Frisch- als auch auf dem Industriemarkt generell sinkende Preise aufgrund der konjunkturbedingt rückläufigen Nachfrage.
Geschäftsentwicklung
Die gestiegenen Lebensmittelpreise führten im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einer erhöhten Preissensibilität der Konsumenten. In Westeuropa behauptete sich AGRANA dank einer ausgezeichneten Kunden- und Serviceorientierung in diesem schwierigen Marktumfeld. In Deutschland, am meist umkämpften Markt für Fruchtzubereitungen, gelang es AGRANA, den Marktanteil aufgrund ihrer Positionierung, Präsenz und Innovationskraft zu halten. Der Fruchtzubereitungsmarkt in Russland reagierte mit einer Verlangsamung des Mengenwachstums und ersten Rückgängen zu Ende des Kalenderjahres infolge der Wirtschaftskrise. Vergleichbare Entwicklungen waren in der Ukraine erkennbar, deren gesamtwirtschaftliche Entwicklung ähnlich kritisch verlief. In den USA konnten neue Marktchancen außerhalb der Molkereiindustrie wahrgenommen werden, wodurch die Produktionsauslastung trotz Markteintritt eines neuen Mitbewerbers sichergestellt wurde. Dank ausgezeichneter Qualität der neuen Produktionsstätte in Brasilien konnten die Marktanteile erhöht werden. Die chinesische Lebensmittelindustrie war temporär von der Melaminkrise betroffen, was zwischendurch auch bei AGRANA zu Absatzrückgängen führte. Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in Südafrika führte zu niedrigeren Umsätzen bei steigenden Energiekosten.
Die Verkaufspreise von Fruchtzubereitungen lagen leicht über dem Vorjahr. Die Absatzmengen waren infolge der strukturellen Verschiebungen von Markenartikeln hin zu Handelsmarken mit niedrigerer Fruchtdosierung rückläufig. Neben den höheren Preisen für Milchprodukte waren dafür zum Teil auch Einzelereignisse wie zum Beispiel Milchlieferboykotte seitens der Landwirte ausschlaggebend.
Ziel für eine nachhaltige Ergebnissteigerung sind laufende Verbesserungen und besondere Qualitätsorientierung im Rohstoff- und Energieeinsatz, um Fruchtverluste oder energieineffiziente Anwendungen zu reduzieren bzw. zu vermeiden.
Die Schließung des Produktionsstandortes Kaplice|Tschechien im August 2008 führte zu einer Verlagerung des Produktionsvolumens in bestehende, größere Fabriken in Österreich und Deutschland.
Investitionen
Das im Geschäftsjahr 2007|08 neu eröffnete Fruchtzubereitungswerk im brasilianischen Cabreúva (Nähe São Paulo) wurde im Herbst 2008 mit einer zweiten Produktionslinie erweitert. Die Marktdurchdringung kann mit der erweiterten Kapazität von mehr als 10.000 Tonnen pro Jahr nun optimal fortgeführt werden. Am Standort Mitry|Frankreich wurde eine Produktionslinie ersetzt und konnte mit Jahresende die Produktion aufnehmen. Der polnische Produktionsstandort wurde um eine neue Abwasserreinigungsanlage erweitert. Ein Investitionsschwerpunkt war der vollständige SAP-Roll-Out an den Standorten Kröllendorf|Österreich und Konstanz|Deutschland. Die ersten Schritte für den weiteren SAP-Roll-Out wurden in Belgien und Mexiko gesetzt.
Die Erweiterung des russischen Standortes in Serpuchov wurde technisch bereits geplant und mit den Behörden verhandelt. Aufgrund der temporären wirtschaftlichen Unsicherheiten wird die Realisierung des Ausbaus jedoch verschoben. Russland bleibt ein wichtiger Wachstumsmarkt für AGRANA. Es ist davon auszugehen, dass mittelfristig weitere Expansionsschritte gesetzt werden können.