Die EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien wurde im Dezember 2008 auf europäischer Ebene verabschiedet. Der verbindlich festgelegte Mindestanteil von 10 % erneuerbaren Energien am Energieverbrauch im europäischen Verkehrssektor wurde beibehalten. Umfangreiche Nachhaltigkeitskriterien werden sicherstellen, dass künftig nur nachhaltig produzierte Biokraftstoffe im Verkehrssektor eingesetzt werden. Hinsichtlich der erforderlichen Treibhausgaseinsparung muss von bestehenden Anlagen im Jahr 2013 ein Wert von 35 % und im Jahr 2017 von 50 % erreicht werden.
Eine Lebenszyklusanalyse der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Graz hat bestätigt, dass die AGRANA-Anlage in Pischelsdorf|Österreich mit rund 50 % Treibhausgaseinsparung bereits heute die Anforderungen für das Jahr 2017 erfüllt und weit über der festgelegten Mindestanforderung von 35 % liegt. Die gleiche Analyse wurde für das von HUNGRANA in Ungarn produzierte Bioethanol durchgeführt, wo die Einsparung von Treibhausgasen ebenfalls die 50%-Grenze überschreitet.
Die gesamte Bioethanolproduktionskapazität der AGRANA beträgt in Österreich und Ungarn mehr als 400.000 m3.
Österreich
In Österreich gilt seit 1. Oktober 2008 eine Substitutionsverpflichtung von Biokraftstoffen in Höhe von 5,75 Energieprozent. Damit verbunden ist eine Steuerbegünstigung für die Beimischung von Bioethanol zu Benzin sowie für Treibstoffe mit hohem Bioethanolanteil (SuperEthanol E85) seit 1. Oktober 2007.
AGRANA betreibt am Standort Pischelsdorf die einzige großindustrielle Bioethanolproduktion in Österreich mit einer Kapazität von bis zu 240.000 m3 pro Jahr. Bei der Bioethanolerzeugung werden zusätzlich bis zu 190.000 Tonnen hochwertiges Eiweißfuttermittel hergestellt, das maßgeblich zur Reduktion von Futtermittelimporten auf Sojabasis aus Übersee beiträgt.
Ende Mai 2008 wurde, nach ersten Probeläufen im Vorjahr, der Regelbetrieb aufgenommen, nachdem aufgrund der dramatischen Rohstoffpreisentwicklung bis zum Frühjahr 2008 die Wirtschaftlichkeit der Anlage nicht gegeben war. Die globale Situation der Rohstoff- und Ethanolmärkte und der Ausblick auf die Ernte 2008 sprachen für eine Wiederinbetriebnahme der Anlage. Als Rohstoffe dienen Weizen, Trockenmais und Triticale. Die Rohstoffversorgung wird über Anbauverträge sowie am Markt zugekaufte Mengen sichergestellt.
Die AGRANA Bioethanol GmbH ist zu 74,9 % eine Beteiligung der AGRANA Stärke GmbH, 25,1 % der Anteile werden von der Rübenproduzenten Beteiligungs GesmbH gehalten.
Im Geschäftsjahr 2008|09 konnte eine deutliche Umsatzsteigerung erzielt werden. Das in Pischelsdorf produzierte Bioethanol wurde vorwiegend in Österreich abgesetzt. Mit dem neuen hochwertigen Nebenprodukt „ActiProt“ bietet AGRANA seit Juni 2008 ein zertifiziertes Eiweißfutter zur Herstellung gentechnikfreier Lebensmittel in Österreich und in den Nachbarländern an. Mit „ActiProt“ können rund ein Viertel der österreichischen Eiweißfuttermittelimporte aus Übersee gentechnikfrei substituiert werden.
Die Verarbeitung von hochpreisigen Rohstoffen aus der Ernte 2007 wirkte sich im ersten Halbjahr negativ auf den Geschäftsbereich Bioethanol aus. Zusätzlich erfolgten technische Optimierungsphasen bis zur Erreichung der Vollauslastung gegen Jahresende 2008, wodurch sich insgesamt eine operative Ergebnisbelastung ergab. Die Aufwendungen in Höhe von 2,3 (Vorjahr 6,8) m€, die vor dem Produktionsbeginn anfielen, sind im Sonderergebnis dargestellt. Für die Fertigstellung der Bioethanolanlage wurden im Geschäftsjahr 2008|09 5,2 (Vorjahr 73,2) m€ investiert.
Ungarn
Mit 1. Jänner 2008 wurde in Ungarn neben einer Biodiesel-Beimischung von 4,4 Volumsprozent zu fossilen Treibstoffen auch eine verpflichtende Beimischung von Ethanol in selber Höhe in Kraft gesetzt. Bei Unterschreiten dieses Niveaus wird eine zusätzliche Steuer von 5 % eingehoben.
Die erhöhte Ethanolkapazität der Hungrana liegt nun bei bis zu 520 m3 Tagesproduktion. Damit beträgt die maximale Produktionskapazität 187.000 m3 pro Jahr. Die Auslastung variiert mit der Isoglukoseverarbeitung. Die Ethanolproduktion erfolgte im Geschäftsjahr 2008|09 ausschließlich auf Basis von lokal zugekauftem Mais. Bis zum Beginn der Nassmaiskampagne im September 2008 wurde noch hochpreisiger Mais aus der Ernte 2007 verarbeitet. Seither läuft die Ethanolproduktion mit dem wesentlich preisgünstigeren Mais aus der neuen Ernte 2008.
In Ungarn vermarktet Hungrana unter der Marke „E85 Green Power“ den umweltfreundlichen Treibstoff E85 mit bis zu 85 % Bioethanolanteil über unabhängige Mineralölunternehmen.