AGRANA Jahresbericht 2008|09
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  • Jahresabschluss

Die Qualitätsführerschaft in der Veredelung landwirtschaftlicher Rohstoffe zu Zucker- und Stärkeprodukten sowie in der Verarbeitung von Früchten zu Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentraten ist eines der wichtigsten strategischen Ziele von AGRANA. Die Erreichung dieses Zieles setzt die sorgfältige Auswahl von agrarischen Rohstoffen und die Anwendung modernster Technologien bei deren Veredelung voraus. AGRANA sichert die Rohstoffe in der geforderten hohen Qualität durch nachhaltiges Wirtschaften und einen ressourcenschonenden Umgang mit der Natur. Nachhaltigkeit ist für AGRANA somit ein integrierter Bestandteil der Unternehmensphilosophie und ein wichtiger Grundsatz für die Abwicklung des operativen Geschäftsalltages.

Verankerung der Nachhaltigkeit und des ressourcenschonenden Umganges mit der Natur in unserer Unternehmenskultur.

AGRANA ist in der Industrie Vorreiter im nachhaltigen und umweltbewussten Handeln. Der Energie- und Rohstoffeinsatz sowie die Produktionsverfahren werden laufend optimiert. Seit 1990 hat AGRANA Millionenbeträge in den Bereichen Transport, Energieversorgung, Produktion und Verpackung investiert und damit bereits vor Jahren das Kyoto-Ziel zum Abbau von CO2-Emissionen bis 2010 erreicht.

Nahrungsmittelsicherheit, Qualitätssteuerung, Rückverfolgbarkeit aller industriellen Prozesse bis auf das Feld – Behandlung der Rohstoffe von der Aussaat bis zur Ernte – sowie Zertifizierungen (ISO 9001:2000, ISO 22000, International Food Standard, GMP+1, Qualität & Sicherheit) tragen zur Nachhaltigkeit der AGRANA-Produkte und zur nachhaltigen Umweltorientierung bei.

HERSTELLUNG VON BIO-PRODUKTEN

AGRANA stellt nunmehr in allen Segmenten Bio-Produkte her. In der Zuckerkampagne 2008|09 produzierte AGRANA erstmals Bio-Rübenzucker nach den Vorgaben der EU-Verordnung über den ökologischen Landbau. Die erforderliche Trennung zwischen konventionellem und Bio-Zucker sowie die eingeschränkte Liste der Verarbeitungshilfsstoffe stellt für die Verarbeitung der Bio-Rüben eine große technologische Herausforderung dar. Die Einhaltung der EU-Bio-Verordnung wird in allen Produktionsstufen vom Feld bis zum Handel durch anerkannte Bio-Kontrollstellen überwacht. Bio-Zucker wird unter der Marke „Wiener Zucker“ als Bio-Rübenzucker im Einzelhandel vertrieben sowie an Unternehmen der Lebensmittelindustrie für deren Bio-Produktion verkauft.

Einsatz von Nebenprodukten

Nachhaltige Produktion bedeutet auch eine möglichst vollständige Verwertung anfallender Nebenprodukte. Von den Zucker- und Stärkewerken werden die Nebenprodukte Carbokalk und Kartoffelrestfruchtwasser als Dünge- und Bodenverbesserungsmittel angeboten. Rübenschnitzel, Kartoffeleiweiß und DDGS (Distillers Dried Grains with Solubles) werden an die Landwirtschaft als hochwertige Futtermittel abgegeben. Im Segment Frucht werden anfallende Trester an die Pektinindustrie oder als Futtermittel verkauft oder einer thermischen Nutzung zugeführt.

Soziale Verantwortung

Nachhaltigkeit bedeutet für AGRANA nicht nur das Bemühen um einen Einklang zwischen Ökonomie und Ökologie, sondern beinhaltet als dritte Säule auch soziale Verantwortung. Gemäß den Grundsätzen moderner Corporate Social Responsibility (CSR) ist AGRANA als bedeutendes Industrieunternehmen in Zentraleuropa mit globaler Präsenz bestrebt, ihre gesellschaftliche Verantwortung überall bestmöglich wahrzunehmen. AGRANA engagiert sich neben dem seit vielen Jahren praktizierten Kultursponsoring auch in der Unterstützung zahlreicher kleinerer Projekte im Sozialbereich. Als Beispiele seien hier der Vertrieb von fair gehandeltem (Fair Trade) Rohrzucker unter der Marke „Wiener Zucker“ oder die Unterstützung der Caritas-Aktion „coffee to help“ erwähnt.

Die Sozialpartner der europäischen Zuckerindustrie sind seit vielen Jahren einem gemeinsamen Verhaltenskodex hinsichtlich sozialer Entwicklung und Einhaltung der Grundrechte verpflichtet. Auch die europäische Stärkeindustrie hat sich zum effizienten Einsatz natürlicher und erneuerbarer Ressourcen und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung bekannt.

Im Segment Frucht werden unterschiedliche Kodices angewendet. Im Bereich Fruchtsaftkonzentrat wird der SGF/IRMA Code of Conduct als wichtiger Schritt verstanden, nachhaltige und ethische Standards in der internationalen Fruchtsaftindustrie durchzusetzen. In Ermangelung eines allgemeinen Branchenkodex hat AGRANA für den Bereich Fruchtzubereitung den AGRANA Code of Conduct erarbeitet, der sich an den Standards der International Labour Organisation orientiert. Dieser Kodex hat Themen wie die Vermeidung von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, alle Arten von Diskriminierung und den Erhalt der Gesundheit und Arbeitsplatzsicherheit zum Inhalt.

Gelebte Nachhaltigkeit anhand von ausgewählten Projekten aus den AGRANA-Segmenten

Im Hinblick auf die umfassende Verantwortung gegenüber den Stakeholdern wurden die im Folgenden beschriebenen vier Projekte aus den einzelnen Geschäftsbereichen als Beispiele für die gelebte Nachhaltigkeit im Unternehmen ausgewählt.

Segment Zucker – Biogasherstellung

In der Zuckerkampagne 2007 wurde erstmalig eine neu installierte Biogasanlage im Werk Kaposvár|Ungarn in Betrieb genommen. Aus den Rübenblättern und den nach der Extraktion anfallenden Zuckerrübenschnitzeln wird Biogas gewonnen, das einen Teil des für die Energieerzeugung notwendigen Erdgases ersetzt.

Für die Energieversorgung in der Zuckerrübenkampagne 2008 wurde eine Gesamtbiogasmenge von rund 9,0 Mio. m3 erzeugt, die einer Einsparung von rund 4,8 Mio. m3 Erdgas entspricht. In der Kampagne 2008 wurden in Kaposvár bereits 45 % des Energiebedarfs durch eigenes Biogas abgedeckt. Die produzierte Menge an erneuerbarer Energie verbesserte die jährliche CO2-Bilanz um 9.000 Tonnen CO2. Die Anlage wurde nach der Zuckerrübenkampagne mit reduzierter Leistung weiterbetrieben, um in der Heizperiode die komplette Wärmeenergieerzeugung zur Versorgung der gesamten Werksanlagen und des Zuckersilos abzusichern. Die tägliche Biogasproduktion in dieser Heizperiode betrug durchschnittlich 12.000 m3. Damit wurde die gesamte Erdgasmenge für die Heizperiode von 100 Tagen eingespart. Dies führte zu einer weiteren Einsparung an Energiekosten und einer zusätzlichen Verbesserung der CO2-Bilanz um 1.200 Tonnen.

Segment Stärke – Bioethanol als nachhaltiger, umweltschonender Kraftstoff

Bioenergie ist ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Energieszenarios. Im Verkehrssektor mangelt es an kurzfristig umsetzbaren Alternativen zu Biotreibstoffen. So haben sich beispielsweise in Österreich seit dem Jahr 1990 die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr nahezu verdoppelt und verursachen rund 26 % der österreichischen Gesamtemissionen. Kraftstoffe aus regenerativen Rohstoffen, die weitgehend CO2-neutral in der Aufbringung und Herstellung sind und nachhaltig erzeugt werden können, tragen wesentlich zur Problemlösung bei. Zusätzlich wird die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes gefördert. Die Europäische Union schreibt daher bis zum Jahr 2020 einen Anteil von Biokraftstoffen von 10 % der verwendeten Treibstoffe als Ziel vor. Österreich will dieses Ziel schon 2010 erreichen. Seit 1. Oktober 2008 müssen 5,75 % der in Österreich in Verkehr gebrachten Kraftstoffe biogene Treibstoffe, also Bioethanol oder Biodiesel, sein. Zusätzlich wird mit SuperEthanol E85 ein neuartiger Treibstoff angeboten, der zu bis zu 85 % aus Bioethanol besteht.

AGRANA betreibt im niederösterreichischen Pischelsdorf Österreichs einzige großindustrielle Anlage zur Herstellung von Bioethanol. Mit der Verarbeitung von bis zu 620.000 Tonnen Getreide, hauptsächlich Weizen und Mais aus Österreich, können bis zu 240.000 m³ (bzw. 190.000 Tonnen) Bioethanol pro Jahr produziert werden. Damit wird der österreichische Bioethanolbedarf komplett abgedeckt. Aus den Produktionsreststoffen werden bis zu 190.000 Tonnen DDGS (Distillers Dried Grains with Solubles) erzeugt. Dieses Eiweißfuttermittel wird unter dem Markennamen „ActiProt“ erfolgreich vertrieben. Das hochwertige, zur Herstellung gentechnikfreier Lebensmittel geeignete Futtermittel leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der Bioethanolerzeugung, sondern auch zur ökologischen und ökonomischen Gesamtbilanz des Werkes. Es substituiert rund ein Viertel der österreichischen Soja-Futtermittelimporte aus Übersee, deren Gentechnikfreiheit in Zukunft nur schwer gewährleistet werden kann.

Eine von der Grazer Joanneum Research Forschungsgesellschaft erarbeitete Lebenszyklusanalyse untersuchte nach der von der EU geforderten Energie-Allokationsmethode die Treibhausgasbilanz von Bioethanol aus Pischelsdorf im gesamten Produktlebenszyklus vom Anbau der Rohstoffe und deren Düngung, Ernte, Transport und Verarbeitung bis zur Verbrennung im Motor. Dabei wurden CO2, Methan und Lachgas berücksichtigt und in CO2-Äquivalente umgerechnet. Über den gesamten Produktlebenszyklus berechnet, ergaben sich dabei für die Verbrennung eines Liters Bioethanol gegenüber einem Liter Benzin CO2-Einsparungen von 47 % bis 51 % in Abhängigkeit der verwendeten Rohstoffe Mais oder Weizen. Insgesamt können somit im österreichischen Transportsektor bis zu 380.000 Tonnen CO2-Äquivalent und 100.000 Tonnen Rohöläquivalent pro Jahr eingespart werden. Die AGRANA-Bioethanolanlage übererfüllt zudem das bis 2012 geforderte EU-Ziel von 35 % CO2-Einsparung für biogene Treibstoffe und erreicht schon heute das ab 2017 geltende Ziel von 50 % CO2-Einsparung.

Bioethanol aus dem AGRANA-Werk Pischelsdorf leistet einen wertvollen Beitrag zur Reduktion der österreichischen Treibhausgasemissionen, trägt durch die Substitution von Öl- bzw. Futtermittelimporten zur Verbesserung der österreichischen Handelsbilanz sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum bei und fördert die Energieunabhängigkeit.

AGRANA Fruit – Erdbeerkulturen in Mexiko

Das von AGRANA Fruit México durchgeführte Projekt im Erdbeeranbau stellt ein erfolgreiches Modell für gelebte Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im landwirtschaftlichen Bereich durch effizientes Management der Zusammenarbeit von bäuerlichen Produzenten, industriellen Abnehmern, Finanz-, Regierungs- und NGO-Institutionen dar.

AGRANA Fruit México ist mitten im größten Erdbeeranbaugebiet Mexikos gelegen. Im Jahr 1995 wurden erste Schritte gesetzt, um Teile des bis dahin langwierigen Qualitätskontrollprozesses näher an die Anbaufelder heranzuführen. Bauern wurden beim Pflanzenschutz, der Produktionstechnik und der Einhaltung hygienischer Produktionsmethoden aktiv beraten. Neben der Zusicherung von Abnahmemengen erhalten die Bauern auch Finanzierungsunterstützung und Zugang zu strategischen Allianzen mit Zuliefer- und Abnehmerunternehmen.

Im Bereich der Rückverfolgbarkeit entwickelte AGRANA eine eigene Software, um die Produktivität und den Pestizideinsatz, Wasser- und Bodenqualität (hinsichtlich Pestiziden, Nähr- und Schadstoffen) sowie Kreuzkontaminationen mit anderen Früchten aus der Feldnachbarschaft direkt vor Ort zu messen. Das Unternehmen baute ein Netzwerk von Feldinspektoren auf, die täglich über mobile Datenübertragungsgeräte relevante Informationen an einen zentralen Datenspeicher liefern. Auf diese Art kann heute die volle Rückverfolgbarkeit der Produktionskette sichergestellt werden.

AGRANA Fruit México startete weiters ein Projekt zur Finanzierung einer Feldtechnisierung. Damit konnte AGRANA hochtechnologische Einrichtungen wie Makro-Tunnel, Mulchtechnik, computerkontrollierte Tropf-Bewässerung und Düngung auf 241 Hektar Erdbeerfeldern bei 56 Vertragsbauern implementieren. Die Produktivität der Felder verdoppelte sich dadurch von rund 40 Tonnen auf rund 80 Tonnen Ertrag pro Hektar. Das Projekt leistet auch im sozialen Bereich einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Kinderarbeit auf den Feldern.

Aufgrund des großen Erfolges des Erdbeerprojektes wurde auch ein Qualitäts- und Lebensmittelsicherheitsprojekt für Mangos aufgenommen. Daneben soll das Projekt in der nächsten Saison auf andere Beerenfrüchte ausgedehnt und auch in den AGRANA-Organisationen in Argentinien und Brasilien gestartet werden.

AGRANA Juice – Finanzierungsprogramm zur Kultivierung von Rohstoffsorten

Die zentralukrainische Region um Winniza ist eine der wichtigsten Obstanbauregionen der Ukraine, wo rund 10 % der ukrainischen Fruchtproduktion auf zehntausenden Hektar Obstplantagen produziert werden. Viele Plantagen sind überaltert, die Produktivität und die Qualität der Produkte sind unzureichend.

Um diese Wachstumsbarrieren zu überwinden, wurde 2007 eine Partnerschaft zwischen der International Finance Cooperation (IFC), einer Tochtergesellschaft der Weltbank, dem österreichischen Bundesministerium für Finanzen und AGRANA Fruit Ukraine, dem größten Fruchtverarbeiter der Region, geschlossen. Ziel der Kooperation ist die Sicherung der künftigen Rohstoffbasis durch die Kultivierung neuer, resistenter Apfelsorten sowie die Ausweitung des Beerenanbaus. Zur Kultivierung der Apfelsorten, für die das Unternehmen den Bauern eine Ankaufsgarantie gibt, stellt AGRANA Pflanzmaterial und Beratung zur Verfügung. Der Projektplan sieht einen kontinuierlichen Ausbau der Anbaufläche bis zum Jahr 2011 vor.

Zur Entwicklung einer stabilen Lieferantenplattform im Rahmen einer langfristigen Zusammenarbeit unterstützt AGRANA die Plantagen in folgenden Bereichen:

  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Farmen durch die Einführung von neuen Sorten, effizientes Management, Erhöhung der Qualität und Produktivität.
  • Aufbau langfristiger Lieferantenbeziehungen mit einem Angebot- und Nachfrage-Planungssystem sowie einem ausgearbeiteten, vertraglich fixierten Anreizsystem, integrierter Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeitsmaßnahmen.
  • Verbesserung der Finanzierungsverfügbarkeit für die Farmen durch Unterstützung von AGRANA im Bereich der Geschäftsplanung und des Managements, Hilfe bei der Klärung von Besitzverhältnissen der Farmen in Übereinstimmung mit den bestehenden rechtlichen Bestimmungen sowie Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Neben den wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren ist die Implementierung der Good Agricultural Practice (GAP) wesentlich. Diese umfasst vor allem die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit durch die Rückverfolgbarkeit der Früchte sowie die Verringerung etwaiger negativer Umweltauswirkungen des Obstanbaus in der Ukraine.

 
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