Als produzierendes Unternehmen der Agrarwirtschaft ist AGRANA operativen Einzelrisiken ausgesetzt, die ihre Ursachen in der spezifischen Geschäftstätigkeit der AGRANA haben und die Finanz- und Ertragslage maßgeblich beeinträchtigen können.
Beschaffungsrisiken
AGRANA ist als Verarbeiter landwirtschaftlicher Rohstoffe Beschaff ungsrisiken ausgesetzt, was einerseits dazu führt, dass landwirtschaftliche Rohwaren unter Umständen witterungsbedingt in zu geringer Menge verfügbar sind. Andererseits können diese Rohstoffe Preisschwankungen unterliegen, die nicht vollständig an die Abnehmer weitergegeben werden können. Diese Risiken betreffen vor allen das Segment Stärke.
Bei der Produktion von Bioethanol sind die Rohstoffkosten (vor allem Mais und Weizen) wesentliche Einflussgrößen auf die Kostenstruktur. Die Strategie ist es, einen möglichst großen Teil – zumindest für die eingegangenen Bioethanollieferverpflichtungen – des geplanten Bedarfes durch physische Lieferkontrakte abzudecken. Für den nicht durch Lieferverträge gedeckten Bedarf werden – so es wirtschaftlich sinnvoll ist – Future-Kontrakte abgeschlossen. Der Umfang dieser Sicherungsgeschäfte wird von der Geschäftsführung des Segmentes vorgeschlagen und durch den AGRANA-Vorstand genehmigt. Der Anstieg der Rohstofftangente kann teilweise durch höhere Verkaufspreise für das eiweißhaltige Nebenprodukt („ActiProt“) im Rahmen der Bioethanolproduktion kompensiert werden, da der Verkaufspreis für eiweißhaltige Nebenprodukte sehr stark mit dem Weizenpreis korreliert (sogenanntes Natural Hedge).
Die Rohstoffkosten sind auch in der Maisstärkeproduktion von wesentlicher Bedeutung. Höhere Rohstoffkosten können zu einem großen Teil kurzfristig an den Kunden weitergegeben werden. Die Strategie zur Risikominimierung ist dieselbe wie im Bereich Bioethanol.
Im Segment Zucker ist – mit Ausnahme jener Länder, in denen hauptsächlich Rohzucker verarbeitet wird – das Beschaffungsrisiko relativ gering, da gegenwärtig die Zuckerrübenproduktion im Normalfall ertragsmäßig den anderen Feldfrüchten überlegen ist. Für die Rohzuckerraffination in Bosnien-Herzegowina werden benötigte Rohzuckermengen mengen- und preismäßig gesichert. Ein Beschaffungsrisiko besteht für die Beschaffung von Roh- und Weißzucker für den EU-Raum, da hier aufgrund der Marktzutrittsbestimmungen eine Absicherung über Warentermingeschäfte nur teilweise möglich ist.
Im Segment Frucht kann es durch ungünstige Witterung und Pflanzenkrankheiten zu gravierenden Ernteausfällen kommen, was einen deutlichen Anstieg der Rohstoffkosten zur Folge hätte. Die weltweite Präsenz im Segment Frucht und die Kenntnis der Beschaffungsmärkte ermöglichen es, Engpässe in der Rohstoffversorgung sowie Preisvolatilitäten zu vermeiden bzw. diesen entgegenwirken zu können. Eine zentrale Einkaufsorganisation in der AGRANA Fruit analysiert die globalen Rohstoff märkte und kann somit gezielt auf Rohstoffengpässe und Qualitätsunterschiede reagieren. Im Hinblick auf die ganzjährige Versorgungssicherheit und die unterschiedlichen Erntezyklen in den Hauptanbauregionen wurden auch langfristige Verträge mit Lieferanten und Kunden abgeschlossen. Dadurch können gleichbleibend gute Qualität bei verlässlicher Lieferung und eine gesicherte Produktion gewährleistet werden.
Produktqualität und -sicherheit
Als Verarbeiter von agrarischen Produkten, die an die Lebensmittelindustrie geliefert werden, ist die Einhaltung aller relevanten lebensmittelrechtlichen Standards für AGRANA eine Selbstverständlichkeit. Risiken durch Verarbeitungsfehler oder Qualitätsmängel, etwa infolge verunreinigter Rohstoffe, tritt AGRANA durch strengste interne, zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme entgegen, deren Einhaltung konzernweit regelmäßig kontrolliert wird. Durch die bestehenden Produkthaftpflichtversicherungen besteht eine ausreichende Deckung für sich möglicherweise ergebende Schadenersatzleistungen.
Markt- und Wettbewerbsrisiken
AGRANA agiert auf unterschiedlichen Märkten und ist auf diesen einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt. Durch die detaillierte Absatzplanung (Menge/Preis) je Produkt und Kunde ist es AGRANA möglich, Änderungen des Nachfrageverhaltens frühzeitig zu erkennen und Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten. Die Auswirkungen auf die Marktposition werden bewertet und finden gegebenenfalls ihren Niederschlag in Modifikationen der Unternehmensstrategie. Schwankungen der Absatzpreise, die sich im Rahmen des Wettbewerbs ergeben, begegnet AGRANA mit der fortlaufenden Optimierung der Kostenstrukturen mit dem Ziel der Kostenführerschaft.
Weitere operative Risiken
Um das Risiko aus steigenden Energiekosten zu minimieren, deckt AGRANA den geplanten Bedarf an Energieträgern durch kurz- und mittelfristige physische Lieferverträge sowohl mengen- als auch preismäßig. Darüber hinaus wird laufend die Energieeffizienz der Produktionsanlagen verbessert und die Nutzung von alternativen Energieträgern forciert.
Risiken, die in den Bereichen Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung sowie durch den Einsatz von Informationstechnologie entstehen, kommen im Vergleich dazu geringe Bedeutung zu. AGRANA begegnet diesen Risiken durch ständige Überwachung, klare Dokumentation sowie kontinuierliche Verbesserung der Prozessabläufe.
