Operative Risiken
Beschaffungsrisiken
AGRANA ist als Veredler landwirtschaftlicher Erzeugnisse Beschaffungsrisiken ausgesetzt, die ihre Ursache in Witterungseinflüssen haben können. Hierdurch können landwirtschaftliche Rohstoffe aufgrund von klimatischen Ereignissen unter Umständen in zu geringer Menge verfügbar sein. Zum anderen können diese Rohstoffe Preisschwankungen unterliegen, die nicht vollständig an die Abnehmer weitergegeben werden können.
Diese Risiken betreffen vor allem das Segment Stärke. Zur Absicherung der Bedarfsmengen an Getreide (Mais und Weizen) werden physische Lieferverträge in einem möglichst hohen Ausmaß abgeschlossen. Für den nicht durch Lieferverträge gedeckten Bedarf werden, wenn es wirtschaftlich vertretbar ist, Future-Kontrakte abgeschlossen. Diese Sicherungsgeschäfte unterliegen strengen Regularien und werden in ihrem Umfang von der Geschäftsführung des Segments vorgeschlagen und durch den AGRANA-Vorstand genehmigt. Der Umfang und die Ergebnisse dieser Sicherungsgeschäfte werden in einem monatlichen Meeting dem AGRANA-Vorstand berichtet.
Im Geschäftsbereich Bioethanol kann ein Anstieg der Rohstofftangente nur teilweise durch höhere Verkaufspreise des eiweißhaltigen Nebenproduktes kompensiert werden; in diesem Bereich folgen die Futtermittelpreise nämlich jenen von Weizen und Mais. Im Stärkebereich ist es weitestgehend möglich, höhere Rohstoffkosten aufgrund der homogenen Kostenstruktur in den für AGRANA relevanten Märkten kurzfristig an die Kunden weiterzugeben.
Das Beschaffungsrisiko im Zucker hat, mit Ausnahme der Länder, in denen hauptsächlich Rohzucker verarbeitet wird, eine geringere Bedeutung, weil Zuckerrüben normalerweise ertragsmäßig anderen Feldfrüchten überlegen sind und die Rübenbauern ihre Lieferrechte möglichst ausschöpfen wollen. In Bosnien und Herzegowina werden die benötigten Rohzuckermengen mengenmäßig und preislich gesichert. Diese Sicherungsgeschäfte unterliegen den gleichen strengen Richtlinien wie jene für Getreide. Ein Beschaffungsrisiko besteht für den Import von Weiß- und Rohzucker in den EU-Raum, da hier aufgrund von Marktzutrittsbestimmungen eine Absicherung über Warentermingeschäfte nur teilweise möglich ist. Auf die schwierigere Beschaffungssituation für Rohzucker wurde bereits im Kapitel „Marktordnungsrisiken für Zucker“ hingewiesen. Diese betreffen ausschließlich unsere Produktionsstätten in Rumänien.
Ungünstige Witterungsverhältnisse und Pflanzenkrank- heiten können im Segment Frucht zu gravierenden Ernteausfällen führen und infolgedessen einen Anstieg der Rohstoffpreise bewirken. Die weltweite Präsenz im Segment Frucht und die Kenntnis aller Beschaffungsmärkte ermöglicht es AGRANA, Engpässe in der Versorgung und Preisvolatilitäten zu vermeiden bzw. diesen entgegenzuwirken. Eine zentrale Einkaufsorganisation im Segment Frucht analysiert global die Rohstoffmärkte und kann somit frühzeitig auf Rohstoffengpässe und Qualitätsunterschiede reagieren. Im Hinblick auf die ganzjährige Versorgungssicherheit und die unterschiedlichen Erntezyklen in den Hauptanbauregionen wurden mit Lieferanten und Kunden auch langfristige Verträge abgeschlossen. Dadurch können gleichbleibend gute Qualität bei verlässlicher Lieferung und eine gesicherte Produktion gewährleistet werden.
Der Energiebedarf, neben den Rohstoffkosten der zweite wesentliche Kostenfaktor in den Segmenten Zucker und Stärke, wird aus unterschiedlichen Quellen gedeckt. Durch eine entsprechende Ausrichtung der Produktionsanlagen werden die verschiedenen Energieträger kostenoptimal eingesetzt. Darüber hinaus wird eine steigende Energieeffizienz der Anlagen konzernweit kontinuierlich forciert und in verstärktem Maße werden auch alternative Energiequellen genutzt. Der Bedarf an Energieträgern wird durch kurz- und mittelfristige physische Lieferverträge sowohl mengen- als auch preismäßig gesichert.
Produktqualität und -sicherheit
Die Einhaltung aller relevanten lebensmittelrechtlichen Standards ist für AGRANA, als Veredler agrarischer Produkte für die Lebensmittelindustrie, eine Selbstverständlichkeit. Durch strengste interne zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme werden die Risiken durch Verarbeitungsfehler und Qualitätsmängel, etwa infolge verunreinigter Rohstoffe, auf ein Minimum reduziert. Die Einhaltung der Qualitätsstandards wird regelmäßig konzernweit zertifiziert und kontrolliert. Durch die abgeschlossenen Produkthaftpflichtversicherungen besteht auch eine ausreichende Deckung für potenzielle Schadensersatzleistungen.
Markt- und Wettbewerbsrisiken
Globale Geschäftstätigkeit bedingt auch, einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt zu sein. Diesem Risiko begegnet AGRANA durch eine detaillierte monatliche Analyse der Planabweichungen auf Kunden- und Produktebene. Dadurch ist es möglich, Änderungen des Nachfrageverhaltens frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten. Ebenso evaluiert AGRANA laufend ihre Marktposition auf allen relevanten Märkten und passt die Unternehmensstrategie dahingehend an. Eine kontinuierliche Optimierung der Kostenstrukturen sichert die Wettbewerbsfähigkeit aller Produkte.
Konzernlagebericht › Risikomanagement und internes Kontrollsystem › Operative Risiken
